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23.05.08 | politics | Jamsheed Faroughi

Die Philosophie des Weltraum-Tourismus


Los Angeles, 10. Mai (Reuters)- Der erste Tourist in der Geschichte der Raumfahrt, Dennis Tito, sagte: „Wir fliegen nun seit 40 Jahren ins All und nichts davon findet sich in unserer Musik, unserer Literatur und in unseren Gedichte wieder.“ Er schlug vor, dass die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA auch Dichter, Philosophen und Lehrer ins All schickt.

Es ist der Abend des 25. Oktober, 2001. Hier ist die Raumstation ISS. Das ist die erste Roundtablekonferenz der großen Philosophen. Die vier Philosophen sitzen nebeneinander im Konferenzraum der Raumstation. Sie sind astraunautisch bekleidet. Kant und Sokrates starren ins All. Marx raucht eine Havanna. Nietzsche schüttelt verwundert den Kopf.

Nietzsche: (Fröhlich) Willkommen im göttlich gottlosen Jenseits. Hier, meine Herren, stelle ich Ihnen das Nichtsein des längst gemeinten Seienden vor.

Marx: Klar, wenn man die ganze Zeit nur Heidegger liest, redet man so! Das ist die alte Krankheit der deutschen Philosophie.

Nietzsche: Das ist geil.

Kant: (Entsetzt und völlig verwirrt) Wie bitte?

Nietzsche: Ich meine,... die Raumfahrt ist geil. Nach der enttäuschenden Wagner-Erfahrung, zum Teufel mit ihm, ist diese Erfahrung..., ich meine die Erfahrung mit der Raumfahrt ist für mich etwas Besonderes, etwas Bewegendes, etwas Göttliches. Mal unter uns, die Raumfahrt selbst ist teuflisch anstrengend aber göttlich geil. So geil...aber so absurd. Das ist die Geilheit der Absurdität.

Marx: Lieber Friedrich! Vergeude nicht so absurd deine heilige Geilheit.

Sokrates: (Neugierig) Geilheit...? Was bedeutet das wohl?

Marx: (Lacht) Geilheit ist das, was unser Freund, Immanuel, absolut nicht kennt.

Sokrates: Verzeiht mir meine Unhöflichkeit. Aber das ist doch keine überzeugende Antwort auf die Frage: was ist die Geilheit. Was ist das, was du nicht kennst, lieber Immanuel?

Kant: Ich weiß wohl, was Geilheit ist. Geilheit ist das, was mit den formalen und materialen Bedingungen der Erfahrung übereinkommt.

Marx: (Lacht) Habe ich doch gesagt, er hat absolut keine Ahnung was Geilheit bedeutet. Aber warte Sokrates, ihr, Ich meine euch die notgeilen griechischen Philosophen, ihr seid wirklich hinterhältig. Die Bedeutung dieses Wortes haben wir von euch und von eurer großzügigen Hämophilie gelernt, und jetzt willst du die Rolle eines Moralpredigers für uns spielen. Na bitte! Sag mal, ist die Geilheit nicht für euch der Schlüssel zur ewigen Eudämonie, zur Glückseligkeit?

Sokrates: Nehmen wir an, dass die Bedeutung der Geilheit allgemein bekannt ist. Kann etwas, was anstrengend ist, wie Friedrich meinte, geil sein?

Nietzsche: Hör auf Sokrates! Abgesehen von Immanuel, haben wir alle deine Werke von A bis Z gelesen. Es ist doch absurd. Wir sind doch nicht deine Schüler. Lieber Sokrates, leider Gottes, bis du jetzt in ganz anderer Welt. Hier ist die Raumstation ISS und nicht die Akademie. Hier gibt es keinen Gorgias und Kalikles mehr. Ich bin Friedrich Nietzsche.

Sokrates: (Wundert sich) Lieber Friedrich! Ich habe doch keine Werke geschrieben und ich war nicht oft in diesem Garten, ich meine in der Akademie gewesen. Nein beim Zeus, wer behauptet hier, dass die Leitfiguren des deutschen Idealismus zum engen Kreis meiner Schüler gehören. Gott bewahre!

Marx: (Entsetzt) Lieber Sokrates! Es ist jedoch nicht wahr. Ich gehöre nicht zu den Leitfiguren des deutschen Idealismus. Ich habe lebenslang gegen die bürgerliche Philosophie gekämpft. Das ist doch das Elend der Philosophie.

Nietzsche: (Laut in Marx Richtung) Das Elend der Philosophie ist weit besser als die Philosophie des Elends. Vom Fenster dieser Raumstation schau mal was aus deiner Philosophie geworden ist.

Marx: (Vorsichtig) Das war nicht meine Philosophie, nein ganz und gar nicht. Das war Stalinismus und Maoismus.

Sokrates: Habt ihr nichts von Prof. Huntington gelernt. Die Epoche des kalten Kriegs ist längst vorbei. Der Kampf der Ideologien ist längst nicht mehr spannend, ade. Zur Zeit gibt es nur den Kampf der Kulturen und der Weltordnungen.

Nietzsche: Meine Herrschaften! Lass uns das Vergangene vergessen. Lieber kehren wir zurück zum süßen Thema der Geilheit.

Kant: (Völlig verwirrt) Ich bitte um Verzeihung. Was hat die Geilheit mit der Raumfahrt zutun. Man bezahlt uns, um das Wesen der Raumfahrt zu erklären und nicht die Bedeutung der Geilheit.

Marx: Darf ich euch unseren achtungsvollen Freund, Immanuel Kant vorstellen. Meine Damen und Herren! Die Kritik der reinen Vernunft persönlich!

Sokrates: Scherz bei Seite, Karl. Beim Zeus hat Immanuel recht. Ein Raumfahrer ist nicht naturgemäß ein geiler Typ.

Marx: Ja, ganz recht. Zum Beispiel Yuri Alexejewitsch Gagarin, der die Erde zum ersten Mal umkreiste. Er war kein geiler Typ.

Nietzsche: Hoch lebe Yuri Alexejewitsch, Wladimir Iljitsch Uljanow, Nikolai Iwanowitsch Bucharin und alle anderen Helden des realen Sozialismus! Das ist der Wille zur Täuschung.

Sokrates: Und ich dachte, die Zeit des Kalten Krieges ist längst vorbei.

Kant: Meiner Meinung nach hängt die Bedeutung der Raumfahrt von der Definition des Raums ab. Das Wort "Raumfahrt" besteht aus zwei Wörtern: Raum und Fahrt. Wir müssen uns zuerst über die Definition des Raums verständigen. Der Raum ist eine notwendige Vorstellung a priori, die allen äußeren Anschauungen zum Grunde liegt.

Sokrates: (Nachdenklich) Na ja, der Raum ist eine notwendige Vorstellung a priori! Das wiederum bedeutet, dass die Raumstation ISS nur die Vorstellung der Raumstation ISS ist. Ehrlich gesagt, diese Vorstellung ist eine kostspielige Vorstellung.

Marx: (Lacht) Eine notwendige Vorstellung a priori.! Ja das ist die Entdeckung des Millenniums!

Nietzsche: Und das Erlebnis Raumfahrt ist bloß eine Vorstellung von einer Vorstellung.

Sokrates: Wie ist das möglich? Kann eine Art von Raumfahrt insofern es eine Raumfahrt ist sich von irgend einer Raumfahrt unterscheiden? Lieber Karl, wenn ich dich fragte, was Parteispende ist; und wenn du mich fragtest, was für eine Parteispende ich meinte, so fragtest du nicht richtig. Parteispende ist Parteispende. Es unterscheidet sich weder Parteispende von Parteispende, noch Raumfahrt von Raumfahrt.

Marx: Die Zeit der zweidimensionalen Logik ist längst vorbei. Nun sind wir in der Lage, ein wenig komplizierter zu denken. Die Steinzeit..., ich meine ..., das Zeitalter solcher Diskussionen „Stein ist Stein“ und „Gold ist Gold“ gehört zur Vergangenheit. Selbstverständlich ist Parteispende nicht Parteispende und Raumfahrt nicht Raumfahrt.

Nietzsche: Ja, ja.... Wir haben rote Parteispende und schwarze Parteispende, wobei nur die rote Parteispende erlaubt ist!

Kant: Was hat das alles zu bedeuten? Könnt ihr nicht systematisch denken? Meiner Meinung nach ist die Raumfahrt egal welcher Art objektiv-notwendig. Der kategorische Imperativ ist derjenige, welcher nicht etwa mittelbar, durch die Vorstellung eines Zwecks, der durch die Handlung erreicht werden könne, sondern der sie durch die bloße Vorstellung dieser Handlung selbst, also unmittelbar, als objektiv-notwendig denkt und notwendig macht.

Marx: Gold richtig! Genau das wollte ich die ganze Zeit sagen! Es ist doch krank.

Nietzsche: Das ist absurd. Das ist kategorisch unsinnig.

Sokrates: Beim Zeus, verstehe ich die neue Philosophie nicht mehr.

Marx: Beim Zeus, verstehe ich auch diese Philosophie nicht mehr! Die Vorstellung einer Handlung ist wichtig und nicht die Vorstellung eines Zwecks, der durch diese Handlung erreicht werden könne. Das heißt: wenn die Vorstellung der Raumfahrt richtig und notwendig sein sollte, so ist sie unmittelbar notwendig. Das heißt: zum Teufel mit der blöden Vorstellung des Zwecks.

Kant: Ihr versteht mich alle nicht.

Sokrates: Ach du armer Immanuel! Beim Zeus wollten wir doch dich nicht beleidigen. Karl und Friedrich haben was gegen die deutsche Philosophie und das ist jedoch kein Geheimnis.

Marx: Ich bin gegen deutsche bürgerliche Philosophie und nicht gegen deutsche Philosophie....

Sokrates: Vergeudet ihr nicht eure heilige Brutalität, mit einwenig Logik geht es auch. Lass uns zum unseren Thema zurückkehren. NASA hat uns nicht umsonst die Reise bezahlt.

Nietzsche: Lass uns alles was wir gelernt haben zusammenfassen. Raum ist notwendigerweise eine Vorstellung a priori. Lieber Immanuel, es ist doch wahr, nicht wahr? Wenn der Raum selbst eine Vorstellung ist, ist die Raumfahrt egal wie teuer bloß eine Vorstellung.

Marx: Wenn die Vorstellung der Raumfahrt notwendig ist, ist die Raumfahrt selbst kategorisch notwendig. Ist die Raumfahrt geil, ist notwendigerweise die Vorstellung der Raumfahrt eine geile Vorstellung.

Sokrates: So muss derjenige, der eine geile Vorstellung hat, selber geil sein. Denn derjenige, der selber nicht geil ist, kann keine geile Vorstellung haben.

Marx: Sehr richtig. Das Dasein der Materie der Geilheit ist die notwendige Voraussetzung der geilen Vorstellungen.

Kant: Die geile Vorstellung ist nicht identisch mit der Vorstellung der Geilheit.

Nietzsche: Lieber Immanuel, das Thema Geilheit hat mit deiner transzendentalen Ästhetik nichts zu tun. Das ist nicht dein Fachbereich. So vergeude nicht deine und selbstverständlich unsere Zeit mit solchem Geschwätz.

Marx: Das ist doch die Hauptaufgabe der Philosophie. Die Philosophen brauchen kein Fachwissen. Was wissen wir zum Beispiel von Raumfahrt? Gar nichts und absolut gar nichts. Das macht doch gar nichts. Die armseligen Menschen brauchen uns. Wir sind wichtig. Wir sind Übermensch! Sie finanzieren sogar unsere einmalige Reise nach Geilheit!

Sokrates: Kann man die Raumfahrt als Reise nach Geilheit bezeichnen?

Marx: Warum nicht. Raumfahrt gehört zur Philosophie der Geilheit.

Kant: Hattest du nicht gesagt: Raumfahrt ist nicht Raumfahrt?

Marx: Ja, gewiss. Wir haben professionelle Raumfahrt und geile Raumfahrt.

Nietzsche: Ohne geile Vorstellung von Raumfahrt kann die Raumfahrt nicht geil sein.

Kant: Was hat alles zu Bedeuten? Was ist hier die Rolle der reinen Vernunft?

Marx: Wenn jemand 20 Millionen Dollars für bloß eine Reise nach Geilheit bezahlt, ist es vernünftig? Nein, deine reine Vernunft hat hier nichts zu suchen. Der unscharfen Kritik der reinen Vernunft setzte man die geheime Kritik der geilen Vernunft entgegen.

Nietzsche: Kritik der geilen Vernunft! Das ist wirklich geil.

Sokrates: Was ist das die Philosophie der Geilheit? Gehört sie zur Philosophie des 21. Jahrhunderts?

Marx: Auf keinen Fall. Die Geschichte der ganzen Entwicklung des menschlichen Denkens ist zugleich die Geschichte der Verheimlichung der menschlichen Geilheit.

Sokrates: Bin ich nicht ein vernunftbegabtes Lebewesen?

Nietzsche: Zweifelsohne bist du ein vernunftbegabter und zugleich ein geiler Philosoph.

Marx: Der Wille zur Geilheit. Demgemäss ist jeder Mensch geil, selbst die Mathematiker und Juristen!

Kant: Das ist doch nicht wahr!

Nietzsche: Sehr richtig. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind alle Menschen geil.

Marx: Oder tendieren sie zur Geilheit.

Sokrates: Jetzt begreife ich warum die Idee der Züchtung des Übermenschen nicht funktionierte? Das war wegen der angeborenen Geilheit, nicht wahr?

Marx: Und wie! Die Idee der Züchtung des Übermenschen führte wegen der Geilheit der Menschheit zur Züchtung des geilen Übermenschen! Ein geiler Übermensch ist ein reicher Kapitalist,
der zur Verwirklichung seiner geilen Träume alles tut. Wobei die armen Menschen müssen sich mit den geilen Vorstellungen zufrieden geben.

Nietzsche: Schickt uns, die ahnungslosen Philosophen ins All. Wir lehren euch die Philosophie der Geilheit. Schickt die ahnungslosen Dichter ins All. Mit der Poesie der Geilheit zaubern sie euch. Schickt die ahnungslosen Musiker ins All und genießt ihr die Symphonie der Geilheit. Aber schickt bitte keine Lehrer ins All. Verschönt unsere Schulkinder mit solchen gnadenlosen geilen Ideen.

Marx: Ja. Wenn nicht, dann bitten wir unseren hochangesehenen Freund, Immanuel Kant, einige sehr schon formulierte Passagen aus seinem Meisterwerk, „Kritik der praktischen Vernunft“ uns vorzulesen.

Sokrates: Beim Zeus, er meint es ernst. Glauben sie mir!


Marx: Darf ich euch unseren achtungsvollen Freund, Immanuel Kant vorstellen. Meine Damen und Herren! Die Kritik der reinen Vernunft persönlich!

Sokrates: Scherz bei Seite, Karl. Beim Zeus hat Immanuel recht. Ein Raumfahrer ist nicht naturgemäß ein geiler Typ.

Marx: Ja, ganz recht. Zum Beispiel Yuri Alexejewitsch Gagarin, der die Erde zum ersten Mal umkreiste. Er war kein geiler Typ.

Nietzsche: Hoch lebe Yuri Alexejewitsch, Wladimir Iljitsch Uljanow, Nikolai Iwanowitsch Bucharin und alle anderen Helden des realen Sozialismus! Das ist der Wille zur Täuschung.

Sokrates: Und ich dachte, die Zeit des Kalten Krieges ist längst vorbei.

Kant: Meiner Meinung nach hängt die Bedeutung der Raumfahrt von der Definition des Raums ab. Das Wort "Raumfahrt" besteht aus zwei Wörtern: Raum und Fahrt. Wir müssen uns zuerst über die Definition des Raums verständigen. Der Raum ist eine notwendige Vorstellung a priori, die allen äußeren Anschauungen zum Grunde liegt.

Sokrates: (Nachdenklich) Na ja, der Raum ist eine notwendige Vorstellung a priori! Das wiederum bedeutet, dass die Raumstation ISS nur die Vorstellung der Raumstation ISS ist. Ehrlich gesagt, diese Vorstellung ist eine kostspielige Vorstellung.

Marx: (Lacht) Eine notwendige Vorstellung a priori.! Ja das ist die Entdeckung des Millenniums!

Nietzsche: Und das Erlebnis Raumfahrt ist bloß eine Vorstellung von einer Vorstellung.

Sokrates: Wie ist das möglich? Kann eine Art von Raumfahrt insofern es eine Raumfahrt ist sich von irgend einer Raumfahrt unterscheiden? Lieber Karl, wenn ich dich fragte, was Parteispende ist; und wenn du mich fragtest, was für eine Parteispende ich meinte, so fragtest du nicht richtig. Parteispende ist Parteispende. Es unterscheidet sich weder Parteispende von Parteispende, noch Raumfahrt von Raumfahrt.

Marx: Die Zeit der zweidimensionalen Logik ist längst vorbei. Nun sind wir in der Lage, ein wenig komplizierter zu denken. Die Steinzeit..., ich meine ..., das Zeitalter solcher Diskussionen „Stein ist Stein“ und „Gold ist Gold“ gehört zur Vergangenheit. Selbstverständlich ist Parteispende nicht Parteispende und Raumfahrt nicht Raumfahrt.

Nietzsche: Ja, ja.... Wir haben rote Parteispende und schwarze Parteispende, wobei nur die rote Parteispende erlaubt ist!

Kant: Was hat das alles zu bedeuten? Könnt ihr nicht systematisch denken? Meiner Meinung nach ist die Raumfahrt egal welcher Art objektiv-notwendig. Der kategorische Imperativ ist derjenige, welcher nicht etwa mittelbar, durch die Vorstellung eines Zwecks, der durch die Handlung erreicht werden könne, sondern der sie durch die bloße Vorstellung dieser Handlung selbst, also unmittelbar, als objektiv-notwendig denkt und notwendig macht.

Marx: Gold richtig! Genau das wollte ich die ganze Zeit sagen! Es ist doch krank.

Nietzsche: Das ist absurd. Das ist kategorisch unsinnig.

Sokrates: Beim Zeus, verstehe ich die neue Philosophie nicht mehr.

Marx: Beim Zeus, verstehe ich auch diese Philosophie nicht mehr! Die Vorstellung einer Handlung ist wichtig und nicht die Vorstellung eines Zwecks, der durch diese Handlung erreicht werden könne. Das heißt: wenn die Vorstellung der Raumfahrt richtig und notwendig sein sollte, so ist sie unmittelbar notwendig. Das heißt: zum Teufel mit der blöden Vorstellung des Zwecks.

Kant: Ihr versteht mich alle nicht.

Sokrates: Ach du armer Immanuel! Beim Zeus wollten wir doch dich nicht beleidigen. Karl und Friedrich haben was gegen die deutsche Philosophie und das ist jedoch kein Geheimnis.

Marx: Ich bin gegen deutsche bürgerliche Philosophie und nicht gegen deutsche Philosophie....

Sokrates: Vergeudet ihr nicht eure heilige Brutalität, mit einwenig Logik geht es auch. Lass uns zum unseren Thema zurückkehren. NASA hat uns nicht umsonst die Reise bezahlt.

Nietzsche: Lass uns alles was wir gelernt haben zusammenfassen. Raum ist notwendigerweise eine Vorstellung a priori. Lieber Immanuel, es ist doch wahr, nicht wahr? Wenn der Raum selbst eine Vorstellung ist, ist die Raumfahrt egal wie teuer bloß eine Vorstellung.

Marx: Wenn die Vorstellung der Raumfahrt notwendig ist, ist die Raumfahrt selbst kategorisch notwendig. Ist die Raumfahrt geil, ist notwendigerweise die Vorstellung der Raumfahrt eine geile Vorstellung.

Sokrates: So muss derjenige, der eine geile Vorstellung hat, selber geil sein. Denn derjenige, der selber nicht geil ist, kann keine geile Vorstellung haben.

Marx: Sehr richtig. Das Dasein der Materie der Geilheit ist die notwendige Voraussetzung der geilen Vorstellungen.

Kant: Die geile Vorstellung ist nicht identisch mit der Vorstellung der Geilheit.

Nietzsche: Lieber Immanuel, das Thema Geilheit hat mit deiner transzendentalen Ästhetik nichts zu tun. Das ist nicht dein Fachbereich. So vergeude nicht deine und selbstverständlich unsere Zeit mit solchem Geschwätz.

Marx: Das ist doch die Hauptaufgabe der Philosophie. Die Philosophen brauchen kein Fachwissen. Was wissen wir zum Beispiel von Raumfahrt? Gar nichts und absolut gar nichts. Das macht doch gar nichts. Die armseligen Menschen brauchen uns. Wir sind wichtig. Wir sind Übermensch! Sie finanzieren sogar unsere einmalige Reise nach Geilheit!

Sokrates: Kann man die Raumfahrt als Reise nach Geilheit bezeichnen?

Marx: Warum nicht. Raumfahrt gehört zur Philosophie der Geilheit.

Kant: Hattest du nicht gesagt: Raumfahrt ist nicht Raumfahrt?

Marx: Ja, gewiss. Wir haben professionelle Raumfahrt und geile Raumfahrt.

Nietzsche: Ohne geile Vorstellung von Raumfahrt kann die Raumfahrt nicht geil sein.

Kant: Was hat alles zu Bedeuten? Was ist hier die Rolle der reinen Vernunft?

Marx: Wenn jemand 20 Millionen Dollars für bloß eine Reise nach Geilheit bezahlt, ist es vernünftig? Nein, deine reine Vernunft hat hier nichts zu suchen. Der unscharfen Kritik der reinen Vernunft setzte man die geheime Kritik der geilen Vernunft entgegen.

Nietzsche: Kritik der geilen Vernunft! Das ist wirklich geil.

Sokrates: Was ist das die Philosophie der Geilheit? Gehört sie zur Philosophie des 21. Jahrhunderts?

Marx: Auf keinen Fall. Die Geschichte der ganzen Entwicklung des menschlichen Denkens ist zugleich die Geschichte der Verheimlichung der menschlichen Geilheit.

Sokrates: Bin ich nicht ein vernunftbegabtes Lebewesen?

Nietzsche: Zweifelsohne bist du ein vernunftbegabter und zugleich ein geiler Philosoph.

Marx: Der Wille zur Geilheit. Demgemäss ist jeder Mensch geil, selbst die Mathematiker und Juristen!

Kant: Das ist doch nicht wahr!

Nietzsche: Sehr richtig. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind alle Menschen geil.

Marx: Oder tendieren sie zur Geilheit.

Sokrates: Jetzt begreife ich warum die Idee der Züchtung des Übermenschen nicht funktionierte? Das war wegen der angeborenen Geilheit, nicht wahr?

Marx: Und wie! Die Idee der Züchtung des Übermenschen führte wegen der Geilheit der Menschheit zur Züchtung des geilen Übermenschen! Ein geiler Übermensch ist ein reicher Kapitalist,
der zur Verwirklichung seiner geilen Träume alles tut. Wobei die armen Menschen müssen sich mit den geilen Vorstellungen zufrieden geben.

Nietzsche: Schickt uns, die ahnungslosen Philosophen ins All. Wir lehren euch die Philosophie der Geilheit. Schickt die ahnungslosen Dichter ins All. Mit der Poesie der Geilheit zaubern sie euch. Schickt die ahnungslosen Musiker ins All und genießt ihr die Symphonie der Geilheit. Aber schickt bitte keine Lehrer ins All. Verschönt unsere Schulkinder mit solchen gnadenlosen geilen Ideen.

Marx: Ja. Wenn nicht, dann bitten wir unseren hochangesehenen Freund, Immanuel Kant, einige sehr schon formulierte Passagen aus seinem Meisterwerk, „Kritik der praktischen Vernunft“ uns vorzulesen.

Sokrates: Beim Zeus, er meint es ernst. Glauben sie mir!



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